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Farb- und Beschichtungssysteme

Rohr- und Armaturenbeschichtung

Eine Armatur zu beschichten ist nicht dieselbe Arbeit wie das Beschichten einer geraden Rohrstrecke: Sitzflächen, Spindelgewinde und Flanschdichtflächen müssen frei von Beschichtung bleiben, weshalb die Beschichtung von Rohren und Armaturen anders vorgegeben und aufgetragen wird, selbst wenn das Farbsystem dasselbe ist.

11Modelle
4Hersteller
03.10.2026zuletzt aktualisiert
Aus der Bibliothek

Typische Modelle.

Je Hersteller ein gut dokumentiertes Modell — mit Foto, Kennwerten und Datenblatt-Angaben auf der Modellseite.

Wissen

Was man an einem Rohr- und Armaturenbeschichtung prüft.

11 Modelle von 4 Herstellern. Darunter die Hersteller im Überblick und die vollständige Modellliste.

Was die Beschichtung von Rohren und Armaturen ausmacht

Beschichtungen für Rumpf und Tanks werden auf große ebene oder sanft gekrümmte Stahlflächen aufgetragen und vor allem an Trockenschichtdicke und Haftung gemessen. Die Beschichtung von Rohrleitungen und Armaturen hat es mit Gewinden, Flanschen, Sitzflächen, kleinen inneren Durchmessern und, in Seekästen und Außenbordsleitungen, mit nahezu dauerndem Eintauchen samt Bewuchsdruck zu tun. Die Beschichtung muss es überstehen, rund um bewegte oder anliegende Teile abgeklebt zu werden, und im Bereich von Armaturen darf sie nirgends dorthin gelangen, wo sie Dichtheit oder Betätigung stören könnte, was die Sorgfalt beim Abkleben ebenso wichtig macht wie die Farbe selbst.

Beschichtung von Rohren und Armaturen - abgeklebte Bereiche
Aufriss einer geflanschten Rohrstrecke durch eine eingebaute Armatur, mit dem vollen Beschichtungsfilm auf Rohr und Armaturenkörper, während Flanschflächen, Spindelpackung und Sitzfläche abgeklebt und blank belassen sind.

Hauptbestandteile des Systems

Oberflächenvorbereitung

Strahlen oder Reinigen mit Kraftwerkzeug auf den vorgegebenen Maßstab vor dem Beschichten; unter einem neuen System belassener Walzzunder oder alte Beschichtung ist die mit Abstand häufigste Ursache eines frühen Versagens.

Grundierung

Eine zinkreiche epoxidische oder gleichwertige Grundierung für den Korrosionsschutz, gewählt nach der Verträglichkeit mit der vorgesehenen Deckschicht und mit dem Dienst des Rohrs, sei das Seewasser, Kraftstoff, Ballast oder eine trockene Versorgungsleitung.

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Zwischen- und Deckschicht

Systeme aus Epoxid oder Polyurethan für außen liegende Rohrleitungen und freiliegende Armaturenkörper; besondere bewuchsablösende oder biozidhaltige Beschichtungen für Seekästen und Außenbordsleitungen, wo Bewuchs den Durchfluss einengt.

Abkleben der funktionalen Flächen

Ventilsitze, Spindelgewinde, Dichtflächen und jede bearbeitete Passfläche werden vor dem Beschichten abgeklebt, und die Abklebung wird erst nach dem Aushärten entfernt, denn Beschichtung auf einer Sitzfläche schafft einen Leckweg, den kein Anzugsmoment an den Schrauben mehr schließt.

Auswahl und Auslegung

  • Fördermedium und Temperatur, denn Kraftstoff- und Dampfleitungen brauchen ein anderes Harzsystem als Seewasser- oder Lenzleitungen
  • Die Eintauchklasse, denn dauerhaft benetzte Rohrleitungen von Seekästen und Außenbordsleitungen brauchen eine Antifoulingwirkung, die eine trockene Ladungsleitung nicht braucht
  • Die je Schicht und insgesamt vorgegebene Trockenschichtdicke, mit einer kalibrierten Lehre geprüft und nicht aus der Zahl der aufgetragenen Schichten angenommen
  • Die Verträglichkeit mit einem in Seekästen bereits eingebauten kathodischen Schutz, denn manche Beschichtungen wirken mit Opferanoden zusammen

Vorschriften und Klasse

Ein einzelnes eigenes Kapitel in SOLAS oder MARPOL für die Beschichtung von Rohren und Armaturen gibt es nicht, doch die Klasseregeln verlangen, dass Beschichtungen im Bereich von Ballast- und Leerräumen anerkannte Leistungsnormen erfüllen, und die Leistungsnorm der IMO für Schutzbeschichtungen gilt, soweit Rohrleitungen und Halterungen in Ballasttanks betroffen sind. Antifoulingbeschichtungen auf Seekästen und Außenbordsleitungen müssen die Beschränkungen des AFS-Übereinkommens für biozide Wirkstoffe erfüllen, die Systeme mit Tributylzinn ausgeschlossen haben und weitere weiter beschränken.

Typische Fehler

FehlerUrsacheFolge
Versagen der Beschichtung an Schweißnähten und FlanschenUnzureichende Oberflächenvorbereitung oder zu geringer Schichtaufbau an Kanten und EckenÖrtliche Korrosion, die genau dort beginnt, wo die Prüfung am schwersten ist, unter Isolierung oder Ummantelung
Festsitzende oder undichte ArmaturBeschichtung trotz der Vorgaben zum Abkleben über Sitzfläche oder Spindelgewinde aufgetragenDie Armatur dichtet nicht oder lässt sich nicht bewegen, mitunter erst bei der nächsten Überholung entdeckt
Vorzeitiger BewuchsFür einen dauerhaft getauchten Seekasten die falsche Beschichtungsklasse vorgegebenVerringerter Durchfluss, höherer Pumpenaufwand, verstopfte Siebe
BlasenbildungBeschichtung über verbliebener Feuchtigkeit oder Verunreinigung aufgetragenAblösung und beschleunigte Korrosion unter der Blase

Worauf es beim Lieferanten ankommt

  • Eine schriftliche Beschichtungsvorgabe mit Maßstab der Oberflächenvorbereitung, Zahl der Schichten und Trockenschichtdicke je Schicht und nicht bloß ein Erzeugnisname
  • Die Bestätigung, dass Sitzflächen, Gewinde und Dichtflächen als übliche Praxis abgeklebt werden, mit dem Entfernen der Abklebung als abgezeichnetem Schritt
  • Erfahrungswerte oder unabhängige Prüfdaten für Antifoulingbeschichtungen auf Seekästen und nicht bloß übertragene Daten von Antifouling für den Rumpf
  • Eine Rückverfolgbarkeit der Chargen, damit sich ein Versagen der Beschichtung auf einen bestimmten Auftragstag und Auftragenden zurückführen lässt

Wenn sich eine Armatur gleich nach einer Beschichtungsarbeit schwer bedienen lässt, zwingen Sie sie nicht — prüfen Sie auf Farbe an Sitz oder Spindel, bevor Sie annehmen, sie müsse sich bloß einlaufen.

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